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Lesemonat September: „Der Anruf“ von Olen Steinhauer

„Der Anruf“ von Olen Steinhauer – vielversprechende Story, gute Rezensionen, langweiliges Buch. Leider.

Das Buch handelt von Celia und Henry, zwei ehemalige CIA-Agenten. Sie führt inzwischen ein scheinbar schönes Familienleben abseits der Agency, er ist Alkoholiker, der noch bei der CIA arbeitet. Beide verbindet eine alte Liebschaft und ein desaströser Einsatz am Flughafen Wien mit 120 Toten. Untersuchungen im Nachgang ergeben, dass der Einsatz verraten wurde – aus dem CIA-Quartier in Wien. Dem Arbeitsplatz von Celia und Henry. Bei einem Abendessen der beiden viele Jahre später werden die damaligen Ereignisse aufgearbeitet.

Olen Steinhauer möchte eine Spionagegeschichte schreiben, die komplett an einem Restauranttisch spielt und sich auf die beiden Hauptfiguren konzentriert. Wechselnde Ich-Perspektiven und Rückblicke bringen langsam Licht in die Geschichte. Der Spiegel schreibt:

Seinen Anspruch, die Geschichte auf einen Ort und zwei Figuren zu beschränken, musste Steinhauer schließlich aufgrund der Komplexität seiner Geschichte aufgeben, ein großartiger, ein raffiniert konstruierter Thriller ist ihm mit „Der Anruf“ dennoch gelungen. Bis zur allerletzten Seite hält er die Spannung, lässt den Leser ebenso darüber im Unklaren, was damals in Wien zur Katastrophe führte, als auch darüber, was Henry und Celia tatsächlich mit diesem Lunch bezwecken.

Das stimmt. Das Ende ist wirklich spannend und ich habe die letzen Seiten verschlungen. Leider nur die Letzten. Vorher gibt es noch 200 Seiten, welche Story und Charaktere einleiten. Das ist mir zu lang!

Mein vorheriges Buch „Der Club“ von Tarkis Würger war ein D-Zug, der mit 200 km/h auf gerader Strecke durch die Handlung führt – von Anfang bis Ende. „Der Anruf“ ist eine Motorroller, der holprig jeden Umweg mitnimmt, um ja nichts zu verpassen. Kein Busch, kein Baum – auch wenn Busch und Baum unergiebig sind. Am Ende kommt der Motorroller einmal auf die Autobahn. Durchschnittstempo der Strecke bleibt trotzdem nur 40 km/h.

Next up: „Frühling der Barbaren“ von Jonas Löscher. Das Buch führt den Hauptcharakter, den wohlhabenden Unternehmer Preising, durch die Folgen eines Börsencrashs. Dem Titel nach wird es in der Barbarei enden. Die Welt schreibt: »Treffend beobachtet, altmodisch und zugleich modern erzählt, urkomisch und kühn.«

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