in Analysen

Fünf Schritte zum besseren Abzock-Brief #ironie

Ziel der Anleitung ist folgendes: wir möchten einen fragwürdigen Abzock-Brief mit angedeuteter Kostennote möglichst authentisch gestalten. In fünf einfacher Schritten können auch eure dubiose Briefe noch viel „professioneller“ wirken. Das Ganze exerzieren wir am Beispiel der „DEHA Handelsregister Bekanntmachungen“ durch.

Schritt 1: Die Anschrift

Bei Nennung des „Unternehmensnamens“ ist auf eine Anschrift zu verzichten. Ein fiktiver Name reicht. Adresse sowie Kontaktdaten sind reiner Luxus und verwirren den Empfänger nur. Echte Profis achten zusätzlich darauf, dass sich die Schreibweisen des Unternehmens im Briefkopf und der Absende-Adresse unterscheiden. Bsp. „Gewerberegister Veröffentlichungen“ vs „Gewerbe Register Veröffentlichungen“.

Schritt 2: Das Zahlungsziel

„Bitte beachten Sie die Zahlungsfrist von 5 Tagen nach Erhalt“ ist ein sehr guter Anfang. Die Zahlungsaufforderung ist zentriert, fett gestaltet und fällt direkt ins Auge. Mit 5 Tagen wird auch gleich eine Drucksituation geschaffen. Sehr gut. Zudem ist es förderlich, dass eine relative Zahlungsfrist genannt wird ohne dass auf dem restlichen Brief ein Absende-Datum zu finden ist. Dies sorgt für zusätzliche Verwirrung.

Der angeheftete Überweisungsträger ist natürlich selbstverständlich und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Verbesserungen sehe ich in diesem Punkt nicht mehr.

Schritt 3: Die Adresse des Partners

In unserem Beispiel ist dem Auszug des Amtsgerichts folgender Vorgang zu entnehmen:

Änderung der Geschäftsanschrift [d. dealzeit GmbH]: Hammer Steindamm 114, 20535 Hamburg.

Eine neue Geschäftsadresse sollte uns jedoch nicht davon abhalten die „Kostennote“ an die alte Geschäftsadresse zu schicken (s. Briefkopf).

Schritt 4: Seriösität des Angebots

Es ist notwendig offizielle Begriff wie „Amtsgericht“, „Aktenzeichen“, „Eintragungsdatum“ zu verwenden. Diese Wortwahl gibt dem Brief etwas amtliches und sollte zusammen mit Punkt 2 zum Ziel führen: 990€ für keine Leistung zu erhalten.

Ein korrektes Auszeichnen der USt. ist rein optional. 825€ zzgl. 19% USt. sind ergibt einen zu krummen Wert von 981,75€. Kommawerte irritieren. Aggressives Aufrunden ist vollkommen in Ordnung.

Schritt 5: Der Barcode

Schritt 5 macht uns schon zum Profi unter den dubiosen Briefanbieter. Champions League sozusagen. Zudem geht ein abgedruckter Barcode als USP durch wirkt verstärkend offiziell.

Mit diesen einfachen 5 Schritten können wir uns von einem einfachen Betrüger zu einem richtig guten Betrüger entwickeln. Weitere Tricks verkaufe ich in meinem Programm „Zum Millionär mit dubiosen Briefen in 5 Tagen“. Dort lernt ihr z.B. dass die Angebotsleistung nicht nur klein geschrieben werden kann, sondern zusätzlich noch mit hellgrauer Schrift weiter aus dem Sichtfeld genommen werden kann – von SEOs lernen heißt siegen lernen.

PS: Spaß beiseite: Amtsgerichte warnen seit einigen Jahren in ihren Briefen vor diesen dubiosen Schreiben. Diese Briefe sind wie Spam zu behandeln. Wegfiltern und wegwerfen. Niemals zahlen.

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