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desk.pm vs iA Writer – Publishing-Tools für den Mac

Mehr Schreiben – das war der Vorsatz für dieses Jahr. Konkreter: Mindestens einen Artikel pro Woche veröffentlichen. Solche Vorsätze sind in der Vergangenheit daran gescheitert, dass ich mich mehr mit dem Blog als mit dem eigentlichen Schreiben beschäftigt habe. Plugins hinzufügen. Themes optimieren. Performance steigern. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit denen sich der ambitionierte Schreiber abhalten kann.

Daher war ich auf der Suche nach einer Software für den Mac, die beim konzentrierten Schreiben unterstützt. Und das gerne in Markdown. Markdown hält Texte schlank und gut lesbar – im Gegensatz zu aufgeladenen HTML. Mit Jetpack unterstützt WordPress inzwischen auch die Auszeichnungssprache.

Nach ein wenig Recherche blieben zwei Tools für den Mac übrig: Desk.pm und 1a Writer. Beide Programme habe ich für einige Wochen genutzt.

Desk.pm

Desk.pm ist eine Indie-Software von John Saddington. Seine Liebe zum Bloggen und der unerfüllte Wunsch nach guter Software zum Bloggen führen zur Entstehung von Desk.pm.

Designed to marry both form and function: it is the desktop publishing client that you’ve always wanted: simple, intuitive, powerful and fast.

Desk gewann den prestigeträchtigen Apple-Award zwei Jahre in Folge: „Best App of 2014“ und „Best App of 2015“. Mittlerweile liegt die Software in Version 2.4 vor. Das Tool kostet 19,90€ – und liegt damit im mittleren Preisbereich der Publishing-Tools.

Die Reviews im App-Store lesen sich gemischt: 23 Bewertungen, 3 Sterne. Die aktuellsten Bewertungen fallen eher negativ aus. Die Einschätzung:

  • Ich mag das cleane, übersichtliche Layout von Desk.pm. Die Software bietet einen Fokus-Modus, der alles unnütze ausblendet. Lesezeit und Wortanzahl werden gut sichtbar angezeigt. Sehr hilfreich.
  • Desk.pm bietet eine Anbindung an alle relevanten Blogging-Systeme. Für WordPress kann z.B. direkt auf veröffentlichte Beiträge und Entwürfe zugegriffen werden. Das funktioniert sowohl für selbst gehostete als auch für WordPress.com-Blogs. Tags, Kategorien, etc. können direkt im Tool vergeben werden.
  • Die Markdown-Unterstützung ist ok. Die Syntaxhervorhebung funktioniert gut. Ein Markdown-Text wird als solcher nach WordPress exportiert. An einer Stelle gibt es Nachholbedarf: die Preview. Auflistungen werden nicht richtig angezeigt. Eine zerhackte Vorschau hilft mir nicht.
  • Die fehlende Rechtschreib-Korrektur ist ärgerlich. Unter dem Menüpunkt Edit gibt es verschiedene Funktionen zu diesem Thema. Allerdings werden Fehler weder angezeigt noch Korrekturvorschläge gemacht.
  • Einen Punkt Abzug gibt es für den fehlenden Support. Nirgends wird eine Email-Adresse angegeben, an die man sich bei Fragen/Vorschlägen wenden kann. Einzig im Menü unter „Help“ gibt es eine rudimentäre Feedback-Möglichkeit. Auf meine Anfrage habe ich bis heute keine Antwort bekommen. Ich weiß wie aufwändig Support bei einer Indie-Software sein kann. Allerdings erwarte ich bei einer bezahlten Software ein gewisses Level an Support.

iA Writer

iA Writer ist das digitale Äquivalent zum College-Block. Einfach drauf losschreiben, ohne sich viel Gedanken um Layout zu machen. Die Software wird von der Digital-Agentur iA Inc entwickelt.

In spite of its growing modularity, iA Writer never was about the number of features. A clean and simple writing environment that treats text as text and makes writing delightful—this is what iA Writer was made for.

Die Reviews in Medien lesen sich sehr gut. Der Guardian findet iA Writer „beautiful and simple“. Die Fast-Company findet iA „out-innovated Apple“. Die positiven Reviews setzen sich im App-Store fort, wo das Tool bei 208 Bewertungen mit über 4 Sternen bewertet wird. Mit 9,99€ ist das Tool vergleichsweise günstig. Mir gefallen folgende Punkte:

  • Das User Interface ist perfekt. Clever verbindet iA Writer die Schreibfunktion, die Text-Bibliothek und die Vorschau. Per Default ist nur der Text zu sehen – absoluter Fokus auf das Wesentliche. Über eine Wischgeste nach rechts wird die Bibliothek mit anderen Texten sichtbar. Eine Wischgeste nach links zeigt den Markdown-Text in einer Vorschau an. Das Syntax-Highlight für Markdown ist angenehme zurückhaltend, hilft aber den Überblick zu bewahren. Wörter und Lesezeit werden wie bei Desk.pm angezeigt.
  • Das Tool unterstützt mich beim Schreiben. Nicht nur funktioniert die Rechtschreibkorrektur gut, sondern das Tool hilft meinen Schreibstil zu verbessern. iA Writer bietet eine Hervorhebung von Satzelementen an. Adverbien, Konjunktionen, Adjektive, Verben, etc. können farblich markiert werden. Es hilft ungemein Schwachstellen im Text (z.B. zu viele Adverbien) zu finden.
  • Die Bibliothek für Texte ist super. Sie erinnert mich ein wenig an Evernote. Ich liebe Evernote. Ordner können angelegt werden und unterstützen den Workflow beim Schreiben. Ich arbeite mit drei Ordnen: Idee, Entwurf und Veröffentlicht. Einzig das Verschieben von Texten zwischen zwei Ordner ist kompliziert (Weg über den Finder).
  • Export-Funktionen ist noch ausbaufähig. Im Gegensatz zu Desk.pm ist iA Writer ein Texteditor – und kein Blogging-Werkzeug. Basis-Exportfunktionen werden trotzdem angeboten. Texte können als Entwurf in WordPress gespeichert werden. Voraussetzung ist allerdings Jetpack und eine aktivierte JSON-API in Jetpack. Verglichen mit Desk.pm eher mau. Zudem wird der Markdown Text als HTML gespeichert.

Fazit

Das Fazit fällt ziemlich eindeutig aus: iA Writer ist der klare Gewinner. Die User Experience ist überragend. Das Highlighting von Satzbausteinen hilft mir beim Schreiben. Die Crew hinter iA Writer hat sich sehr viele Gedanken zu einem guten Workflow für Autoren gemacht. Und das wissen auch Schreib-Laien wie ich zu schätzen. Ergo: Das Tool ist jeden Cent wert.

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