in Analysen

Comunio – das MySpace der Fußballmanager

Im Januar 2016 habe ich mich ausführlich mit dem Status Quo bei Comunio beschäftigt. Mein Fazit war negativ:

Ich sehe (a) die oben genannten Probleme des Marktführers, (b) einen gut aufgestellten Wettbewerber mit einem guten Verständnis für aktuelle Technologien und Entwicklungen, (c) ein digitales Umfeld mit einem brutalen Tempo, welches (d) nur wenig Fehler verzeiht. Daher sehe ich leider schwarz für comunio. Schade, es war eine schöne Zeit.

Bemängelt habe ich im Januar 2016 die operativen Probleme, die schlechte Außenkommunikation und strategische Versäumnisse, v.a. im mobilen Bereich.

Zeit, fast zwei Jahre später, wieder auf Comunio zu schauen. Wie hat sich der Dienst entwickelt? Hat Kickbase aufgeholt? Und kann Comunio inzwischen Server betreiben?

Fakten, Fakten, Fakten – und sie sinken

Der Traffic bei Comunio ist rückläufig. Während auf der Vermarktungsseite von Gruner+Jahr damals 300 Millionen monatliche Page Impressions ausgewiesen wurden, erreicht der Fussball-Manager inzwischen nur noch 170 Millionen Impressions (Web, Mobile & App).

Auch das Interesse an „comunio“ bei Google Trends ist seit einigen Jahren rückläufig und liegt 2017 ungefähr auf Vorjahr. (Achtung bei der Interpretation der Daten: die Messmethodik hat sich in Jan. 2016 geändert.)

Traffic rückläufig & schwindendes Interesse. Das kann nicht gut sein.

Operativer Betrieb – immer noch eine Katastrophe

Damals schrieb ich:

comunio.de ist die Seite mit der schlechtesten Verfügbarkeit die ich kenne. Teilweise war im Oktober tagelang keine Anmeldung möglich. Und wenn doch, dann lud die Seite langsam wie Hölle. Zudem ist eine Anmeldung zur Primetime – also Sonntag abends nach der Punktevergabe des Bundesligaspieltags – regelmäßig quasi unmöglich.

Daran hat sich absolut nichts geändert. Aus operativer Sicht ist Comunio immer noch eine Katastrophe. Der Service erlaubt dem „normalen“ Nutzer nach Ende der Spieltage selten einen Login. Ich weiß: über die Erreichbarkeit sollten Premium-Nutzer gewonnen werden. Aber ist Erreichbarkeit der Seite wirklich ein gutes Premium-Feature? Think again!

Zu der schlechten Erreichbarkeit gesellte sich letzte Woche ein Sicherheitsleck. Es wurden viele Accounts gehackt und Ligen zurückgesetzt. Comunio war einen Tag offline und hat den alten Datenstand aus Backups wieder hergestellt.

Hacks können passieren, und passieren auch den großen Firmen der Branche. Nicht passieren darf es in der heutigen Zeit, dass Passwörter unverschlüsselt übertragen werden und in Klartext in der Datenbank gespeichert werden!

Leider war es nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Angriff passiert. Passwörter gehören gehasht, so wie jeder angehende Informatik-Student im Grundkurs lernt. Zudem werden Passwörter nicht im Klartext in Emails geschickt. Ach ja, länger als acht Buchstaben dürfen die Passwörter aktuell auch nicht sein. Internet Security anno 2000!

Strategie – ein wenig mobile

Comunio hat inzwischen eine mobile App für iOs, die mir nicht schlecht gefällt. Sie ist nicht perfekt – und wirkt verglichen mit dem Konkurrenzprodukt Kickbase veraltet – aber sie tut was sie soll und ist inzwischen mein Weg in die Comunio-Welt.

Die App kam aber zu spät. Wie vorhergesagt: Kickbase scheint inzwischen an Comunio vorbeigezogen zu sein, zumindest wenn ich die iOS Charts als Proxy nehme (Platz 33 Kickbase vs. Platz 67 Comunio).

Außenkommunikation – im Forum hui, bei Facebook pfui

Auf Kommentare auf Facebook wird selten eingegangen. Natürlich ist das Niveau der Beiträge teilweise unterste Schublade, aber selbst konstruktives Feedback oder berechtigte Fragen werden ignoriert. Im eigenen Forum wird aktiver auf die Fragen der User eingegangen. Das Ding ist nur: wer Facebook bespielt, und bei 80.000 Fans kann man das ruhig, sollte den Kommunikationskanal nicht unidirektional nutzen.

Fazit – das MySpace der Fußballmanager

Ich bleibe bei meinem Fazit von Januar 2016: die fetten Jahre von Comunio sind vorbei. Der Traffic ist rückläufig, die operativen Probleme bestehen weiterhin und der Wettbewerb gibt Gas, mehr noch als im Januar 2016. Das Szenario erinnert mich an den Niedergang von MySpace. Der Marktführer mit eigentlich guter Positionierung bewegt sich zu träge.

Durch den Netzwerk-Effekt bei Browserspielen wird sich ein Aufstieg oder Abstieg mit der Zeit beschleunigen, und bei Comunio tippe ich auf den Abstieg. Zumindest deuten meine recherchierten Zahlen darauf hin. Gerne lasse ich mich widerlegen.

Und warum spiele ich noch Comunio, wenn alles Mist ist. Einfach: meine restliche Liga spielt hier auch. Wir werden aber nächstes Jahr aber Kickbase eine Chance geben. Eigentlich schade, nach sechs Saisons Comunio. Bye, bye.

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