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Podcast-Empehlung: Presidential

Presidential Podcast

Ich bin ein großer Podcast-Fan: eignen sich für den Weg zur Arbeit, zum Sport oder zum Putzen. Über exzellente Fach-Podcasts im E-Commerce habe ich bereits geschrieben. Die Einschätzung hat sich nicht geändert. Off-Topic – also nicht beruflich – habe ich 99% Invisible empfohlen.

Heute folgt eine zweite Off-Topic Empfehlung: Der „Presidential“ Podcast der Washington Post. Wöchentlich wird eine Folge zu jeweils einem US-Präsidenten veröffentlicht. Angefangen von George Washington, über Theodore Roosevelt bis hin zu Barack Obama. Aktuell sind wir bei William McKinley, der – wie ich heute gelernt habe – (a) die erste Wahl-Kampagne nach heutigem Stil plante und (b) dessen Ermordung zur „Entstehung“ des Secret Service führte.

Der Podcast ist zeitlich so geplant, dass die letzte Folge genau eine Woche vor den US-Wahlen gesendet wird. Host des Formats ist Lillian Cunningham. Je Folge lädt sie sich einige hochkarätige Experten zu Interviews ein, z.B. den legendären Journalisten Bob Woodward.

Wirklich gut finde ich den Aufbau einer Folge des Podcasts. Es geht nicht darum, das Leben des Präsidenten möglichst vollständig darzustellen. Vielmehr pickt sich Lillian ein bis zwei Punkte heraus die (a) prägend für die Amtszeit des Präsidenten waren und (b) aus heutiger Sicht sein Vermächtnis darstellen. Bei McKinley z.B. dessen Wahl-Kampagne und wie es die Geschichte des US-Wahlkampfs für immer veränderte. Interview-Partner war Karl Rove, der Chef-Stratege hinter George W. Bush. Wie passend!

Presidential ist ein Beispiel für tolles Storytelling in einem Podcast. Und das wird von Hörern honoriert: bisher über 130.000 Zugriffe für 24 Folgen auf Soundcloud. Für (a) einen Podcast bei (b) dem Nischenthema Geschichte durchaus respektabel. Hörempfehlung!

PS: Fände auch einen Podcast zu deutschen Politiker gut, z.B. Kanzler oder Außenminister. „Die Zeit“ wäre als Host dafür imho prädestiniert.

Warum der LinkedIn-Deal für Microsoft Sinn macht

Microsoft hat gestern das Business-Netzwerk LinkedIn – Vorbild für Xing in Deutschland – gekauft. Vanity Fair schreibt dazu:

Microsoft will purchase LinkedIn in an all-cash $26.2 billion sale, the companies announced Monday. Microsoft C.E.O. Satya Nadella has agreed to pay $196 per share for the business-oriented social networking giant, which has more than 400 million members.

Der Grundtenor in sozialen Medien scheint eher negativ zu sein. Nach dem Motto: „Jetzt geht es mit LinkedIn den Berg runter.“ Ich schließe mich der Sichtweise nicht an. Aus Microsoft-Sicht kann ich den Deal nachvollziehen. Zwei Gründe für den Deal:

Kundenprofile für Bing

Das Unternehmen aus Redmond hat große Pläne für seine Suchmaschine Bing. Über eine Einbindung in Office und in Cortana (das Siri von Microsoft) soll die Reichweite erhöht werden. In UK und in USA konnte der Marktanteil in den letzten Jahren deutlich erhöht werden. Auch in Deutschland ist der Marktanteil – zugegeben auf geringem Niveau – auf 7% gestiegen (lt. eigener Aussage von den Bing Days).

Die Reichweite wird über Werbeanzeigen monetarisiert. Werbetreibende verlangen heutzutage eine Möglichkeit mit ihren Anzeigen effizient nur bestimmte Zielgruppen anzusprechen – sogenannten Targeting. Hierfür benötigen Microsoft Kundenprofile.

Niemand hat bessere Kundenprofile als soziale Netzwerke. Warum? (a) Nutzer haben ein eigenes Interesse möglichst relevante und komplette Daten in ihrem Profil zu hinterlegen. Zudem animiert LinkedIn Nutzer immer mehr Drittdaten auf die Plattform zu stellen, z.B. Blogposts. Das Netzwerk soll der eine Ort sein, wo sich das ganze digitale berufliche Leben abspielt. Alles gute Daten, die ein umfangreiches Kundenprofil ergeben. (b) Nutzer müssen sich einloggen. Dadurch sind sie eindeutig und geräteübergreifend zu erkennen und zuzuordnen. Nix mit Cookies, Fingerprinting & Co. Exakte Zuordnung von Nutzern zu Profilen.

Wenn es Microsoft nun schafft die über 400 Mio. Nutzerprofile von LinkedIn mit Besuchern auf Bing zu verknüpfen, kann das Targeting für Werbetreibende auf ein neues Level gehoben werden. Zudem hat Microsoft mit LinkedIn eine Seite mit einer Gazillion Visits ins Werbe-Inventar bekommen.

Integration in CRM

Microsoft bietet mit Dynamics ein CRM an, welches seit Jahren gut wächst:

The Customer Relationship Management (CRM) business has been growing at double digit rates for years. It has been estimated that the industry size exceeds $20 billion. CRM is critical for any company, regardless of size. It’s a database–usually a cloud based database–that holds information about anyone and any company that is in communication with your company. We’re not just talking customers. We’re talking prospects, vendors, suppliers, service providers and partners.

Für ein CRM ist es elementar Kundendaten (im weitesten Sinne) und eine Kundenhistorie verfügbar zu haben. Wenn ich neben (a) eigenen, im CRM gepflegten Daten auf (b) die Profile der LinkedIn-Nuzter zugreifen kann, dann ist das ein großes Plus für alle Nutzer von Dynamics.

Salesforce – der größte Konkurrenten von Microsoft im Bereich CRM – wird das nicht gefallen. Würde mich nicht wundern, wenn die Importmöglichkeiten von LinkedIn nach Salesforce zufällig bald verschwinden. AdWeek schreibt dazu:

„LinkedIn is one of the best new business sales tools in the world of [business-to-business] and in many ways competes head on with Salesforce,“ Langley said. „When Microsoft integrates LinkedIn with its [customer relationship management] suite … what you have is a hugely powerful tool that is truly differentiated and one that poses a real threat to Salesforce.“

Im Kern geht es bei der Akquisition von LinkedIn um Daten – und zwar in einer solch guten, strukturierten Qualität, wie sie nur wenige besitzen.

PS: Bitte LinkedIn nicht zu einem zweiten Yammer verkommen lassen, liebes Microsoft. Das wäre schade.

Die heile Welt des Buchhandels

Heile Welt Buchhandel

Vor ein paar Wochen habe ich mich ausführlicher mit dem lokalen Buchhandel beschäftigt. Dabei ging es (a) um die Konkurrenz zum Onlinehandel und (b) die Chance durch Events und lokale Verankerung auch weiterhin relevant zu bleiben – zumindest auf kleinem Niveau.

Spannend ist in diesem Zusammenhang die heutige Vorstellung der Zahlen von 2015 des Börsenvereins, dem Lobbyverein des traditionellen Buchhandels. Die Lage wird – wenig überraschend – etwas anders als in meinem Post eingeschätzt. Der Tagesspiegel schreibt dazu:

In den letzten zehn Jahren habe man die Herausforderungen durch das Internet hervorragend gemeistert und den Umsatz stabil gehalten. […] Schlechte Prognosen angesichts einer vermeintlich übermächtigen Konkurrenz wie Amazon seien nicht eingetreten, weil die Händler eine erfolgreiche Multi-Kanal-Verkaufsstrategie fahren und mit dem Tolino ein eigenes erfolgreiches E-Book-Lesegerät entwickelt haben. 80 Prozent der Buchhandlungen hätten eigene Web-Shops.

Mein Lieblingssatz ist folgender:

„Amazon steht heute da, wo die Buchbranche vor zehn Jahren stand, festgelegt auf ein Vertriebsmodell, das dem Kunden immer weniger ausreicht“, sagt Skipis. Umgekehrt überlegen jetzt Online-Händler, Läden zu eröffnen.

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man Herrn Skipass, den Geschäftsführer des Börsenvereins, nicht vorwerfen. Drei Fragen zu seinen Anmerkungen:

(a) Wieso zieht aktuell gefühlt jede Branche die Eröffnung einer Amazon-Filiale in Seattle als Wendepunkt des Onlinehandel heran? Als wenn einige Filialen das Kerngeschäft oder die Strategie von Amazon auch nur ansatzweise ändern würden. Es wird mit Filialen keinen relevanten Shift der Ressourcen geben. Es arbeiten immer noch Tausende von Menschen u.a. in der IT & Logistik von Amazon und treiben neue Online-Konzepte voran.

(b) Multichannel wird als Erfolgsstrategie für den Buchhandel präsentiert. Über den Sinn und Unsinn von Multichannel-Strategien lässt sich schön diskutieren – ich verweise an Alex und Jochen. Die große Frage ist doch an dieser Stelle: Wie soll ein kleiner Buchhändler mit 1-2 Personen in der Lage sein die Kanäle Online & Stationär professionell zu bedienen, wenn sich selbst große Unternehmen mit Tausenden von Mitarbeitern (die nicht Amazon heißen) schwer tun?

(c) Aus welchen Zahlen wird die positive Aussage für den gesamten Buchhandel abgeleitet? Das Magazin Buchmarkt fasst die Zahlen zusammen:

Bei einem Gesamtumsatz von 9,188 Milliarden Euro im Jahr 2015 (minus 1,4 Prozent zu 2014) haben die Buchgemeinschaften (minus 36,9 Prozent) und der Versandbuchhandel (minus 26,4 Prozent) die höchsten Einbußen zu verzeichnen. Der Sortimentsbuchhandel sei zwar mit 3,4 Prozent Minus zurückgegangen, habe aber dennoch mit 48,2 Prozent (4,43 Milliarden Euro) den größten Anteil am Gesamtumsatz. „Der Rückgang hat auch mit der sinkenden Frequenz in den Innenstädten zu tun. Betroffen ist schließlich der gesamte Einzelhandel“, kommentierte Riethmüller. Der Internetbuchhandel legte 6 Prozent zu und erreichte damit einen Anteil von 17,4 Prozent und 1,6 Milliarden Euro, etwa 50 bis 70 Prozent davon entfallen auf Amazon, wird geschätzt.

Wir haben also zahlenseitig die Situation, dass der Internet-Buchhandel der einzig wachsende Kanal ist und Amazon diesen Kanal mit einem Marktanteil von 50-70% klar dominiert. Mit diesen Zahlen würde ich mich schwer tun zu behaupten: „Amazon steht heute da, wo die Buchbranche vor zehn Jahren stand“.

Fazit: Viel Augenwischerei. Kann nach wie vor den Optimismus nicht verstehen. Bleibe bei meiner Einschätzung zu Chancen und möglichen Strategien.

Bildquelle: Michael Nukular, Flickr

Fünf Schritte zum besseren Abzock-Brief #ironie

Betrug_DEHA

Ziel der Anleitung ist folgendes: wir möchten einen fragwürdigen Abzock-Brief mit angedeuteter Kostennote möglichst authentisch gestalten. In fünf einfacher Schritten können auch eure dubiose Briefe noch viel „professioneller“ wirken. Das Ganze exerzieren wir am Beispiel der „DEHA Handelsregister Bekanntmachungen“ durch. Weiterlesen

How To: Mehr Kommentare im Blog mit WebMentions

Webmention

Wer nur die Anleitung zur Implementierung von Webmentions in WordPress haben möchte, einfach nach unten scrollen.

Das Problem

Eine Sache nervt mich seit langer Zeit am Bloggen: die Zersplitterung von Diskussionen und die fehlende Möglichkeit diese wieder auf dem Blog zu aggregieren.

Mit dem Aufstieg von sozialen Medien haben sich die Diskussionen von (a) den Kommentaren auf dem Blog hier weg zu (b) den sozialen Netzwerken bewegt. Facebook, Twitter und LinkedIn sind zur meiner größten Traffic-Quelle geworden. Ob ein Blogpost auf Resonanz stößt, sehe ich nicht mehr an Kommentaren und Seitenaufrufen hier im Blog, sondern durch Feedback auf anderen Plattformen. Die harte Währung sind für mich Kommentare, Likes, Shares und Retweets auf Facebook & LinkedIn und Twitter. Nicht mehr Kommentare hier auf dem Blog.

Das Problem ist nur folgendes: für eine Person, die später auf die Seite kommt, gibt es keine Möglichkeit sich einen Überblick über den Stand der Diskussionen zu verschaffen. Das ist schade. Denn manchmal kommen durch Kommentare auf Facebook neue, interessante Facetten in eine Diskussion rein. Oder über Likes auf Twitter kann man Personen finden, die sich ebenfalls mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.

Die Lösung

Was ich möchte ist eine zweistufige Zaubermaschine:

  1. Ein Beitrag soll über soziale Medien an Plattformen (Facebook, Twitter, etc.) geteilt werden.
  2. Reaktionen und Kommentare zu dem spezifischen Beitrag auf den anderen Plattformen sollen eingesammelt werden und auf meinem Blog (a) als Kommentare unter Angabe der Quelle und (b) als Reaktionen unter dem Blogpost angezeigt werden.

Der skizzierte Ansatz nennt sich POSSE: Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere. Weiterlesen

Künstliche Intelligenz: Wall-E oder doch Terminator?

Künstliche Intelligenz

Das Thema Künstliche Intelligenz (AI) ist gleichzeitig faszinierend und hochkomplex. Mit der Thematik habe ich mich erstmals nach den beiden Posts des „super, super“ – viel Spaß in England, Pep – Blogs waitbutwhy zum Thema (a) Status Quo von AI und (b) Die Zukunft von AI näher beschäftigt.

Auch wenn es keine einheitliche Definition von künstlicher Intelligenz gibt, kann man AI grob wie folgt definieren:

Artificial Intelligence is the study of how to make computers do things at which, at the moment, people are better.

Ich mag diese Definition von Elaine Rich aus 1983, denn sie zielt nicht darauf ab dass KI zwangsläufig menschliches Verhalten kopiert.

Klassen von künstlicher Intelligenz

AI wird heute in drei Bereiche unterschieden:

  1. Artificial Narrow Intelligence (ANI): ANI beschreibt eine künstliche Intelligenz, die auf einem speziellen Bereich menschen-ähnliche oder höhere Intelligenz aufweist. Beispiele sind Autopiloten von Flugzeugen, selbstfahrenden Autos, Schachcomputer, Spam Filter, etc. In fast jedem Bereich trifft man heute auf ANI – häufig ohne dass wir es merken. Das letzte Mal groß in der Presse war AI im Zusammenhang mit dem Brettspiel Go. Die Google-Sofware Alpha Go trat gegen den Weltmeister in Go an. Noch Anfang des Jahres hatten Experten behauptet es würde noch Jahre dauern bis eine Maschine einen Menschen in diesem komplexen Spiel schlägt. Wie es ausging ist wahrscheinlich bekannt: Die AI gewann deutlich gegen den Weltmeister.
  2. Artificial General Intelligence (AGI): AGI beschreibt eine Intelligenz, die auf allen Gebieten menschenähnliche Intelligenz hat.
  3. Artificial Superintelligence (ASI): Beschreibt eine Intelligenz, die intelligenter ist als die intelligentesten Menchen in jedem einzelnen Gebiet – von Allgemeinwissen, über soziale Interaktion bis hin zu Forschung und Wissenschaft. ASI sind die Art von künstlicher Intelligenz, die in Holleywood-Filmem immer die Kontrolle über die Menschheit erlangen möchten. Terminator lässt grüßen.

Aktuelle Entwicklungen in AI

Besser als in diesem Bild von Tim Urban von waitbutwhy kann man die aktuelle Entwicklung im Bereich künstliche Intelligenz nicht zusammenfassen. Weiterlesen